„Erzähl mal eine Geschichte!“ - „Grrr, brr, gu.“ Wenn Vierjährige mit Babys spielen

Im Gegensatz zu einem Vierjährigen kann ein Neugeborenes weder toben noch an ausgeklügelten Rollenspielen teilnehmen. Welche acht Wege der Prinz und Madame Elfenohr gefunden haben, um dennoch miteinander spielen zu können, zeigt dieser Einblick in den Geschwisteralltag.


(1) Päckchenbote

Wenn die Schwester noch nicht zum Spielzeug krabbeln kann, muss das Spielzeug eben zu ihr kommen – so das Motto des Prinzen. Um den Überraschungseffekt zu erhöhen, schlüpft er in die Rolle des Päckchenboten: „Hier, ein Paket für Sie!“ Netterweise packt er es auch gleich für die Madame aus und überreicht es. Bevorzugt liefert er Tiere, selbstverständlich thematisch geordnet. So schult die Schwester nicht nur den Seh- und Tastsinn, sondern erfährt zudem die Highlights über Dickhäuter, Hornträger, Knochenschwanzkeulenbesitzer etc.


(2) Pimp my Spielzeug

Auch das Spielzeug der kleinen Schwester ist interessant – zumindest mit dem richtigen Feinschliff. Um die Babyutensilien aufzupeppen, nutzt der Prinz eigenes Spielzeug sowie Dinge aus dem Haushalt. Eine Wäscheklammer an der Rassel drapiert, eine Glocke an der Wippe befestigt oder Dinos am Spielbogen – schon ist das Spielzeug gepimt.
Eine unkonventionelle Anwendung fällt ebenfalls in diese Kategorie. Wer sagt denn, dass eine Wippe nur per Hand oder Fuß in Schwung versetzt werden muss? „Ich bin ein Büffel“, ruft der Prinz und krabbelt unter das Gerät. „Meine Hörner wippen Dich jetzt, rrrr“, bewegt er den Kopf – äh, die Hörner – auf und ab.


(3) Qualitätskontrolle

Eltern vertrauen dem TÜV, der Prinz nur sich selbst. Um sich von dessen Eignung zu überzeugen, überprüft er Babyspielzeug höchstpersönlich. Voller Einsatz zwängt er sich beispielsweise in die Autoschale und testet sämtliche Hängedekorationen und Greiflinge oder betrachtet den Spielbogen aus Sicht eines Säuglings. Auch die Babytrage wurde auf Komfort hin untersucht – und ist kläglich durchgefallen.


(4) Nuckelspiele

Seit sich Madame Elfenohr auf Nuckel einlässt, achtet der Prinz stets darauf, dass diese bereit liegen – schließlich liebte er selbst Nuckel und möchte nicht, dass seine Schwester leidet. Reagiert sie nicht sofort auf das Beruhigungsmittel, hat er sich eine Ablenkungstechnik einfallen lassen:

„Ist das ein Flugzeug?“ [kreist mit dem Nuckel vor dem Gesicht und steuert den Mund an]
„Nein.“ [Nuckel fliegt wieder weg]
„Ist das ein Hubschrauber? [kreist mit dem Nuckel vor dem Gesicht und steuert den Mund an]
„Nein.“ [Nuckel fliegt wieder weg]
„Das ist ein... Nunja!“ [lässt den Nuckel direkt in den Mund fliegen]

Beruhigungssauger lassen sich übrigens auch bestens als Ladung für Katapulte einsetzen.


(5) Katapult

„Katapultstart“ ist ein bei den Geschwistern beliebtes Spiel, seit die Madame leichte Dinge festhalten und wieder loslassen kann. Der Prinz legt ihr etwas in die Hand, hält sie hoch und ruft „Katapultstart“. Sobald er seine Hand wegnimmt, schießt die kleine Schwester die Ladung mit einem Lächeln von sich.


(6) Erzähl mal eine Geschichte

In den ruhigeren Momenten, meistens direkt nach dem Aufwachen, möchte der Prinz einfach nur zuhören – und die Madame schnattern. Wie zwei, die sich gesucht und gefunden haben, halten sie morgens im Elternbett eine Plauderrunde ab. „Erzähl mal eine Geschichte“, bittet der Bruder. Die Schwester legt sogleich los: „Grrr, brr, gu. Agu. Aalo, ku.“ Eine so große Aufmerksamkeit, wie sie der Prinz ihren Stories schenkt, haben wir bei der Gute-Nacht-Geschichte noch nie erhalten...


(7) Anschmachten und beobachten

Manchmal geht es auch ganz ohne Worte und der Prinz nimmt an der Lieblingsbeschäftigung seiner Eltern teil: die zauberhafte Madame anschauen und entzückt sein. In diesen Momenten ist der zapplige Vierjährige plötzlich die Ruhe selbst und nimmt mit seinem analytischen Blick kleinste Veränderungen wahr. Sei es die Hand, die es immer dichter an den Fuß heranschafft, eine neue Art des Lächelns, bisher unbekannte Laute oder Fortschritte beim Greifen – der Prinz bemerkt alles und feiert seine Schwester, als ob ihre Entwicklung sein Herzensprojekt wäre.


(8) Weltherrschaft planen

Die Schwester muss nicht zwingend anwesend sein, damit sich der Prinz mit ihr beschäftigt. In seine Zukunftspläne ist sie stets integriert: „Wenn ich groß bin, werde ich das Auto fahren. Dann sitzen die Madame und ich vorne und Mama und Du sitzen hinten.“ Bis zum Führerschein wird an der Übernahme der Familie gearbeitet: „Ich bin der Chef der Familie. Und die Madame, denn sie ist ja mein Schwesterherz.“
Abgesehen von derartigen Plänen des Geschwisterduos, die letztendlich die Weltherrschaft umfassen, werden auch „banalere“ Dinge geplant. „Wenn sie eins ist, werde ich mit ihr Döner essen gehen.“ Richtig so, denn schließlich geht Liebe durch den Magen.


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